Briefe aus dem Krieg

Thema im Bundestag ist heute der Krieg in Afghanistan. Für uns ist dies Anlass die folgenden Briefe aus dem Krieg zu veröffentlichen. Sie wurden uns freundlicherweise von Christa Pfeiffer zur Verfügung gestellt.

Die Briefe wurden von Christa Pfeiffer mit der Schreibmaschine abgeschrieben und anschließend eingescannt. Eventuelle Fehler bitten wir zu verzeihen. Im Anhang sind die Originalabschriften zu finden.

Diese Briefe waren der erste schon sehr frühe Eindruck für mich. Ich war noch keine 9 Jahre alt, alles was Kriege waren zu hassen und dagegen zu bekämpfen. Es hat aber noch einige Jahre gedauert. Ich habe Bücher von Erich-Maria Remarque und Wolfgang Borchert gelesen. War einige Zeit in Spanien bis ich 1963 Mitglied des Verbandes der Kriegsdienstverweigerer wurde, der sich 1974 mit der Deutschen Friedensgesellschaft vereinigt hat und seitdem Deutsche Friedens-gesellschaft/ Vereinigte Kriegdiensigegnerin heißt. Alle Briefe waren noch länger. Aber ich habe die sehr persönlichen Sachen ausgelassen

Die letzten Feldpostbriefe von meinem Vater, Obergefreiter Franz Solunannowski geboren am 24.02.1908 Brief vom 08.07.44
Meine liebe Frau und Kinder
Lange hast Du wieder keinen Brief von mir erhellen. Aber es geht einmal nicht anders. Dieser verdammte Scheiss-Krieg. Was weiß man noch vorn richtigen Leben. Das ganze Material der Erde wird eingesetzt um sich gegenseitig zu morden. Findet sich denn niemand der diesem Einhalt gebietet? Wann kommt endlich die Zeit, wer wird sie alle erleben? Haben alle Opfer überhaupt einen Sinn und Zweck gehabt? Die Opfer würden etwas gesühnt wenn alle weiteren Opfer ausblieben. Es gibt große Männer und Helden in dieser Zeit. Der größte Held — aber aller Zeiten wäre der, der mit dieser Barbarei ein Ende machen. Uns bleibt nur die Hoffnung. Von mir weiß ich sonst nicht viel zu berichten. Wo ich jetzt weißt Du ja wohl schon. Aber mache Dir keine Sorgen. Wie ich schon im letzten Brief schrieb. Deine guten Wünsche sollen mein Schutzengel sein.

Brief vom 10.07.44
Meine liebe Frau und Kinder !
Heute habe ich etwas Zeit zum Schreiben, aber ich kann so richtig keinen Anfang finden. Was soll man schreiben? Daß die ganze Welt verrückt geworden ist? Erlebt man das alles wirklich, oder ist alles nur ein Böser Traum? Es gibt Momente, wo man seinen klaren Verstand walten läßt. Aber um alles fassen und begreifen zu können reicht die Vernunft eines klardenkenden Menschen nicht aus. 5 Jahre eine grausame Zeit jede Minute oder Sekunde bringt viel Leid über die direkt Beteiligten, noch mehr Herzeleid über die Angehörigen, Leid und Elend über die junge Generation. Trauer und Zerstörung so manchen Lebensglück für die folgende. Das ist der Krieg. eine Errungenschaft des 20. Jahrhundert. Eine Zeit wo die Kultur in hoher Blüte steht. Es ist eine Vernichtung aller gegen alle, für die Zukunft der kommenden Generation. Generationen werden vernichtet und unglücklich gemacht. Welche ist die Generation. für die gekämpft wird ? Diese alles zu fassen ist schwer. Uns hält eins aufrecht, die Hoffnung auf das Ende dieses Grauens. Die Hoffnung auf die Wiederkehr der Vernunft der Menschheit. Die Hoffnung dass man das Ende dieser traurigen Zeit erlebt. Denn die Welt ist schön eingerichtet, um das Menschen darauf glücklich und zufrieden leben können. Glück. Zufriedenheit und Liebe untereinander, das ist die wahre Kultur.

Brief vom 12.07.44
Meine liebe Frau und Kinder !
Die Sorge ist bei mir noch unverändert. Da ich gesund und am Leben hin, geht es mir eben gut. Diese Nacht während eines kurzen Schlafs habe ich auch geträumt. Aber nicht gut. Ich hoffe doch. daß zu Hause alles in Ordnung ist und Ihr alle gesund seid. Was soll ich jetzt Euch jetzt eigentlich schreiben? Wie es uns geht zu schreiben, heißt immer wieder an die Greuel der Zeit erinnert zu werden. Außerdem will ich Euch nicht immer damit beschweren. Wenn bei Euch schönes Wetter in Thüringen ist, so geht oft spazieren, wenn bei Euch Ruhe ist, lebt danach, geniesst alles so, wie es Euch geboten wird. Ich gönne und wünsche es Euch. Betrübt Euch nicht wegen mir, denn ich bin ja auch nicht betrübt. Schreibe mir bitte jeden Tag einen Brief, denn das sind die einzigen schönsten Lichtblicke in meinem Leben. Die Post klappt zwar nicht so bei uns ich habe schon wieder eine Woche keine Post, aber dann kommt sie auf einmal, genau wie letztens 10 Stück auf einmal. Dann möchte ich doch wissen wie es Euch geht, was Ihr treibt und wie alles bei Euch klappt. Meinen Wünschen nach soll es Euch immer nur gut gehen.

Brief vom 14.07.44
Meine liebe Frau und Kinder!
Gestern Abend war wieder für mich ein Feiertag. Denn in der Nacht kam mit der Verpflegung Post für mich. Ich hatte wieder 8 Briefe auf einmal. Das war eine Freude, danke Dir, daß Du so fleissig bist. Du machst Dir Sorgen, daß ich in letzter Zeit so wenig schreibe, aber es ging leider nicht anders. Sei ohne Sorge, mir geht es noch gut Du möchtest gerne wissen, wo ich jetzt bin. Also ich bin in der Normandie, und zwar in der Nähe von Caen,. Da kannst Du alles auf der Landkarte verfolgen und Deine guten Wünsche werden mich begleiten. Diesmal ist der Tommy unser Gegner, man sieht ihn kaum, aber dafür Tag und Nacht Material und nochmals Material. Der ganze Reichtum der Erde an Erz und Stahl, an Erfindungsgeist und Vemichtungswille wird auf dieses Fleckchen Erde abgeladen. In irgendeine Sammelbüchse steckt eine Kinderhand 51 Pfg. ein für das Rote Kreuz, um die Wunden der grausamen Zeit zu heilen. Was ist der Mensch doch klein und machtlos gegen das Ungetüm von Tier, das in ihm steckt. Wann ist der Mensch wieder Mensch? Das ist alles von hier, sonst nichts Neues. Jetzt zu Euch. Mit Urlaub ist vorläufig nichts zu machen. Aus allen Trümmern bauen wir unser Glück wieder auf, was wir über unsere Villa schreiben werden, das werden wir uns noch genau überlegen. Es soll uns eine Losung für die Zukunft sein. Die Losung für heute: Hoffnung auf ein baldiges gesundes Wiedersehen.

Geburtstags-Karte auch vom 14.07.44
an meine Mutter für den 22.07.44 mit herzliche Glückwünchen und dem Zusatz: Mögest Du diesen Tag noch häufig erleben, aber immer im Kreise der vollständigen Familie.

Danach kam keine Post mehr. Da meine Mutter aus den Briefen ablesen konnte, dass mein Vater so nach und nach nicht mehr daran glaubte, aus dem Krieg gesund und überhaupt lebend herauszukommen, so sehr er auch die Hoffnung darauf beschwor, hat sie im September an die Einheit meines Vaters geschrieben

So gegen Ende Oktober überbracht der Ortsvorsteher den folgenden Brief vom 29.09.44:
Sehr geehrte Frau Soltmannowski!
Ich habe die traurige Pflicht. Ihnen mitteilen zu müssen, das Ihr Mann, der Obergefreite Franz Soltmannnowski seit dem 17. Juli vermißt und wahrscheinlich gefallen ist. Die 2. Kompanie hatte zu dieser Zeit besonders harte Abwehrkämpfe bei I’verecy 12 km südwestlich von Caen. Es gelang dem Feind hierbei in unsere Stellung einzubrechen. Als ein teil der Gefallenen und Verwundeten nach Rückeroberung des Geländes geborgen werden konnte, war Ihr Mann jedoch nicht dabei. Kameraden die beim Kampf in seiner Nähe weilten, haben gesehen, das eine Granate dicht bei Ihrem Mann einschlug und er dadurch getötet wurde. Ein Kamerad aus seiner Gruppe, der mir sagte, daß er Ihren Mann als Toten gesehen hat, ist später auch gefallen, so daß ich nun nichts weiter erfahren konnte. Es besteht jedoch noch die Möglichkeit, daß Ihr Mann als Schwerverwundeter in englische Gefangenschaft geraten ist. Möge es Ihnen in Ihrem Schmerz ein Trost sein, daß Ihr Mann sein höchstes gab für den Bestand und die Zukunft unseres Volkes und seines Führers. Ich grüße Sie in tiefer Anteilnahme
Heil Hitler Schulze Hauptfeldwebel

Was für ein Hohn, meinem Vater wurde das Leben genommen weil er für eine Sache kämpfen musste, die er zu Anfang im Widerstand bekämpft hatte. Mit Freunden hatte er Flugblätter: „Hitler bedeutet Krieg“ verteilt. Aber seit 1935 hat er aus Rücksicht auf seine Familie und auf Anraten seiner Freunde diese Aktivitäten eingestellt. Da ich 1935 geboren bin fühlte und fühle ich mich verpflichtet seinen Kampf fur den Frieden weiterzuführen. Für mich gehört noch die Freundschtdi mit Menschen aus aller Welt und Gerechtigkeit dazu. Was sicher auch im Sinne meines Vaters ist. Wie heißt noch mal jetzt die Losung: Der Kampf geht weiter.
Christa Pfeiffer

 

Briefe Aus DemKrieg 0001

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Briefe Aus DemKrieg 0002

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Briefe Aus DemKrieg 0003

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