Müllerland will nach Hennef, die Auswirkungsanalyse

Job, Bild (c) by Rainer Sturm / pixelio.de

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Artikel aktualisiert am 01.10.2010 – Müllerland plant die Gebäude der Messe Hennef als Standort für großflächigen Möbelhandel zu nutzen. Bis zu 31.000 m² sind als Verkaufsfläche für Möbel aber auch für verschiedene sogenannte Randsortimente vorgesehen. Ein Projekt dieser Größenordnung dürfte eine deutlich spürbare Kaufkraftverlagerung zur Folge haben. Aus diesem Grund wurde auf Kosten des Investors eine Auswirkungsanalyse erstellt. Einige der darin enthaltenen Schlüsse waren in den letzten Tagen schon in verschiedenen Presseberichten zu lesen. Umsatzeinbußen für den Einzelhandel werden nicht nur in den direkten Nachbarorten von Hennef zu erwarten sein, betroffen sind demnach unter anderem: Ruppichteroth, Neunkirchen-Seelscheid, Much, Siegburg, Troisdorf, Bonn, Köln, Rösrath und auch Bornheim.

Nach Rücksprache mit der zuständigen Sachbearbeiterin der Stadt Hennef können wir das komplette Gutachten hier zum Download anbieten:

Auswirkungsanalyse Müllerland

Der Arbeitsplatz des Autors dieses Artikel und Gemeindevertreter der Linken in Ruppichteroth, Frank Kemper ist von diesen Vorgängen direkt betroffen. Mario Loskill, Bürgermeister von Ruppichteroth, ist darüber informiert worden.

Eine erste Auswertung der Auswirkungsanalyse soll hier dennoch nicht fehlen. So ist auffällig das die Gutachter trotz Umsatzrückgängen von bis zu 18 % für einzelne Betriebe nicht von deren Schließung ausgehen. Hier scheint Skepsis angebracht.
Auch das der Abbau von bestehenden Arbeitsplätzen in keinster Weise beleuchtet wurde ist auffällig. Wenn die Rede von bis zu 200 Arbeitsplätzen ist, welche neu entstehen sollen, müssten andernorts abgebaute Arbeitsplätze jedoch gegen gerechnet werden.
Und auch die Frage welche Arbeitsplätze dort neu entstehen sollen ist nicht betrachtet worden. Wenn nämlich sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten verloren gehen und im Gegenzug bei Müllerland in erster Linie 400 € Jobs entstehen wäre auch dies nicht zu begrüßen.
Und nicht zuletzt sollte es den umliegenden kleinen Kommunen im Osten des Rhein-Sieg-Kreises besondere Sorgen machen wenn hier ein weiteres mal Kaufkraft (und damit auch Gewerbesteuereinnahmen) abgezogen wird. Schon jetzt ist diese Region die finanziell schwächste im gesamten Kreisgebiet.

Gerade wenn dies in Anbetracht der vorliegenden Pläne auch einen Mediamarkt in Hennef anzusiedeln, sowie des Umbaus des Stankt Augustiner Stadtzentrums betrachtet wird, scheint es bedrohlich für viele der bestehenden Fachhändler zu werden. Dabei werden auch die Kunden mittelfristig mehr Nach- als Vorteile haben. Zwar ist zunächst einmal ein größeres Einkaufserlebnis zu erwarten. Günstiger sind die Megahändler, wie viele Untersuchungen zeigen, jedoch nicht automatisch. Und auch Fachkenntnisse der Mitarbeiter, sowie Service wird bei großen handelsunternehmen nicht immer so hoch geschätzt wie bei kleinen Fachhändlern.

Inwieweit die Stadt Hennef hier gewinnt ist ebenfalls abzuwarten. Höhere Gewerbesteuereinnahmen sind jedenfalls dann nicht zu erwarten wenn der Hauptsitz in Görgeshausen verbleibt. dann nämlich fallen die Gewerbesteuern dort an. Sollten sich unsere Befürchtungen jedoch bewahrheiten so sind zumindest langfristig hohe indirekte Kosten zu erwarten. So werden sich nämlich die verdrängten Arbeitsplätze in den Zahlen der Hartz IV Empfänger niederschlagen. Und deren Unterbringungskosten tragen die Kommunen. Und sofern die neu geschaffenen Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich liegen sollten sind auch hier Kosten für die Kommune zu erwarten. denn auch für sogenannte Aufstocker zahlt die Arbeitsagentur Hartz IV.

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One Comment to “Müllerland will nach Hennef, die Auswirkungsanalyse”

  1. Hier noch ein Nachtrag, die Antwort auf Rückfrage per Mail:

    Sehr geehrter Herr Kemper,

    bisher wissen wir nicht, wieviel sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen bei Müllerland eingerichtet werden. Der ehemalige Baumarkt Bahr wurde unseres Wissens bisher nicht verkauft und wird nach dem aktuellen Planungsstand auch nicht für das Projekt Müllerland benötigt.

    Mit freundlichen Grüßen
    (Name von Readaktion entfernt)

    ________________________________

    Von: Zentrale
    Gesendet: Donnerstag, 30. September 2010 15:35
    An: (Name von Readaktion entfernt)
    Betreff: WG: Veröffentlichung des Auswirkungsanalyse „Müllerland“, Nachfrage zum Thema

    ________________________________

    Von: Frank Kemper
    Gesendet: Donnerstag, 30. September 2010 15:33
    An: Info
    Betreff: Veröffentlichung des Auswirkungsanalyse „Müllerland“, Nachfrage zum Thema

    Sehr geehrte Frau (Name von Readaktion entfernt),

    in Bezug auf unser gestriges Telefonat möchten wir uns für die freundlicherweise erbrachten Informationen bedanken. Da Ihrerseits keine Bedenken bestanden die Auswirkungsanalyse „Müllerland“ auf unserer Internetseite (www.Ratsblatt.de) zu veröffentlichen, ist dies zwischenzeitlich erfolgt.

    Nach Durchsicht der Analyse beschäftigen uns jedoch auch noch einige Fragen:

    Es ist die Rede von bis zu 200 Arbeitsplätzen. Da wir befürchten da es sich vor allem um sogenannte 400 € Jobs handelt wüßten wir gerne wieviele sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen geschaffen werden sollen. Liegen hierzu Zahlen vor?

    Mittlerweile haben uns unbestätigte Infomationen erreicht, wonach auch die Immobilie des ehemaligen Baumarks Bahr durch den Investor übernommen wurde. Ist dies richtig?


    mit freundlichen Grüßen von

    Frank Kemper, Gemeindevertreter für Die Linke, Ruppichteroth

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