Kunstrasen für die Sportplätze der Gemeinde Ruppichteroth

Seit einiger Zeit trommeln der TUS Winterscheid und der BSC Schönenberg
für eine Ausstattung der Sportplätze in der Gemeinde mit
Kunstrasenbelag. Und es spricht ja auch einiges dafür. So sind die
vorhandenen Tenneplätze mittlerweile bis zu ca. 30 Jahre alt, und daher
nicht mehr im besten Zustand. Das äußert sich dann darin das diese
Plätze bei schlechter Witterung oft nicht bespielt werden können.
Kunstrasen dagegen lässt sich ganzjährig bespielen. Außerdem wird von
Seiten der Befürworter argumentiert das die Unterhaltskosten deutlich
geringer seien als es bisher der Fall ist. Aus diesem Grund wird von der
Gemeinde erwartet einen entsprechenden Beitrag zu leisten.

Viel Geld
Nun handelt es sich aber auch um eine enorme Summe. Die Gemeinde soll
400.000,00 € pro Platz aufbringen, die Vereine BSC Schönenberg,
TUS-Winterscheid sowie TSV Ruppichteroth je 100.000,00 €. Macht als
Summe für die Gemeinde 1.200.000,00 €. Da macht es doch mal Sinn nach zu
schauen ob denn die Argumente so richtig sind und ob hier nicht auch
Nachteile lauern.

Zweifelhafte Argumentationsquellen
Dabei fällt dann zunächst auf das die Argumente der Befürworter sich in
kompletten Sätzen wiederholen. Sucht man dann gezielt danach so gelangt
man zu diversen Unternehmen welche sich mit dem Bau der Kunstrasenplätze
befassen. Andere Informationsquellen sind Sportverbände wie die Fifa.
Hier kommen erste Zweifel auf ob die genannten Quellen auch als
alleinige Basis für kommunale Ausgaben dieser Größenordnung dienen
sollten. Das Institut für Sportbodentechnik (www.isss.de/ist-ch) ist in
der Schweiz als Prüfstelle für Sportböden (Typ B) nach der Norm ISO
17025 anerkannt. Sein Präsident (Hans-Jörg Kolitzus) schreibt: „Die
Infos auf wikipedia stammen ausnahmslos von der Website Lukowski. Sie
sind teilweise unrichtig, allein schon wegen des Zeitpunktes ihrer
Erstveröffentlichung. Im übrigen spiegeln einige Beiträge sehr
persönliche Auffassungen des Büros Lukowski wider, die fachlich
unhaltbar sind.“

Diverse Nachteile
Sucht man nach Informationen die aus anderen Quellen kommen so stößt man
denn auch auf diverse Nachteile von Kunstrasenplätzen welche bisher noch
nicht ausreichend zu Sprache kamen:
Kunstrasenbeläge haben eine Lebensdauer von nur 10 – 15 Jahren, zum
Vergleich die bisherigen Tenneplätze sind ca. 30 Jahre alt und müssen
erst jetzt erneuert werden.
Der Belag ist besonders anfällig gegen Feuer (Zigarettenkippen,
Feuerwerk), diverse Sportschuhe, Glas, Tierkot, chemische
Enteisungsmittel usw. Gegen entsprechende Verunreinigungen muss er
geschützt werden. In der Praxis bedeutet das dass die Plätze meist
einzäunt werden, die Zuschauer die Plätze nicht mehr betreten dürfen und
ein Platzwart die Einhaltung der Regeln überwachen muss. Aber auch Sand
oder Blütenpollen dürfen nicht auf den Platz gelangen. Somit sind
Sandkästen in der Nähe ebenso unerwünscht wie auch Pflanzen. Sogar
Gräser sollen wegen der beim mähen entstehenden Abschnitte aus dem
Umfeld verbannt werden. In der Praxis für das oft dazu das andere
Sportarten in direkten Umfeld nicht mehr möglich sind. So ist ein
Sandkasten zum springen unerlässlich. Es stellt sich die Frage ob die
Schulen ihre Bundesjugendspiele auch ohne springen durchführen können.
In die Plätze wird ein Granulat aus recycelten Altreifen eingestreut um
die Laufeigenschaften zu verbessern. Dieses Granulat beinhaltet
krebseregende Stoffe. Es wird derzeit diskutiert inwieweit diese die
Gesundheit der Spieler gefährden. Als Alternative steht auch ein so
genanntes EPDM- Granulat zur Verfügung. Das allerdings gilt als nicht
gesundheitsschädlich, es ist jedoch 6 mal so kostspielig wie das
Granulat aus recycelten Reifen. Eine andere Alternative ist Quarzsand,
der aber bringt es nicht auf die hervorragenden Laufeigenschaften, somit
wäre ein wesentlicher Vorteil nicht mehr Vorhanden.
Aus Sorge vor gesundheitlichen Spätfolgen fordern Fußballer der
österreichischen Profiligen die Abkehr vom Kunstrasen.
Die angeblichen finanziellen Vorteile beim Unterhalt von
Kunstrasenplätzen verkehren sich ins Gegenteil wenn berücksichtigt wird
das der Anschaffungspreis deutlich höher ist und die Lebensdauer dafür
viel kürzer ist.
Im Sommer können Kunstrasenplätze bis zu 60 Grad heiß werden. Eine
Bewässerungsanlage zur Abkühlung wird empfohlen. Mit einer solchen
Anlage aber steigen die Kosten.
Es müssen Wartungsgeräte wie Schneepflug, Fräse und Bürste zur Pflege
angeschafft werden.
Die Spielgeschwindigkeit erhöht sich. Die Spieler laufen bis zu 1,5 km
mehr (pro Spiel). Das kann zu einem erhöhten Risiko von
Sehnenentzündungen führen.
Gerade wenn die Anlagen sich im Sommer aufheizen wird darüber berichtet
das starker Gummigeruch entsteht.

Was zu tun ist.
Wir die Partei Die Linke sind im Gemeinderat Ruppichteroth bisher leider
nicht vertreten. Somit sind unsere Möglichkeiten hier Einfluss zu nehmen
begrenzt. Wir werden einen Bürgerantrag stellen der zum Ziel hat die
Entscheidung des Gemeinderats zu den Kunstrasenprojekt um 3 Monate zu
verschieben. Somit wird die Zeit gewonnen die notwendig ist um
Informationen von unabhängiger Seite zu bekommen. So wären zum Beispiel
treffen mit Verantwortlichen von bestehenden Kunstrasenplätzen zu
begrüßen. Insbesondere dort wo diese bereits seit einigen Jahren
bestehen sollten sich Erfahrungswerte angesammelt haben.

Wir sind nach wie vor nicht gegen Kunstrasenplätze. Aber wir bitten die
im Rat vertretenen Parteien in Anbetracht der Summe, besonders gründlich
nachzudenken inwieweit die Entscheidung so schnell getroffen werden
muss. Die Aussage des Bürgermeisters gegenüber den Sportvereinen das
möglicherweise schon im Sommer mit den Arbeiten begonnen werden könnte
ist in jedem Fall zweifelhaft. Oder will man nach den Erfahrungen mit
der Sporthalle in Winterscheid etwa auf die gesetzliche vorgeschriebene
Ausschreibung verzichten? Ausschreibungen müssen vorbereitet werden,
Fristen sind einzuhalten, das ist bis Sommer gar nicht machbar. Auch
gilt es zu berücksichtigen das neben dem Gemeinderat auch andere Gremien
zuzustimmen haben. Auch das wird nicht so schnell gehen.

Frank Kemper

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