Jahresrückblick 2010 für Ruppichteroth
Zum Ende eines Jahres wirft man traditioneller weise einen Blick zurück. Was also waren die herausragenden Ereignisse des gerade zu Ende gehenden Jahres 2010 in Ruppichteroth? Hier ein Überblick aus kommunalpolitischer Sicht:
Die Huwil-Werke wurden geschlossen. Der wahrscheinlich traditionsreichste Betrieb aus der Gemeinde ist nun Geschichte. Die letzten Mitarbeiter wurden 2010 entlassen. Für lange Zeit war Huwil der größte Arbeitgeber in der Umgebung. Die Firma war in den neunziger Jahren bedeutend genug um die damalige Umweltministerin und heutige Kanzlerin Merkel zu einem Besuch zu bewegen. Doch die Bedeutung schwand rapide, so sehr das der ehemalige Bürgermeister Drawz im Jahr 2008 eine Abordnung der Mitarbeiter zunächst gar nicht empfangen wollte. So ist das, im Erfolg sonnen sie sich alle gerne, wird das Fahrwasser jedoch schwieriger gehen sie von Bord. Wir wünschen allen ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens Glück und Erfolg für ihren weiteren beruflichen und privaten Werdegang.
Aus dem Ortskern von Ruppichteroth wird die Rettungswache verschwinden. Nachdem sie dort vor 8 Jahren als Provisorium in viel Eigenarbeit der MitgliederInnen des DRK eingerichtet wurde fiel den Verantwortlichen im Kreis auf das der Standort ungeeignet sei. Nun soll eine neue Wache näher an der Gemeindegrenze zu Much gebaut werden. Damit werden sich die Anfahrtszeiten im Rettungsfall für die Bewohner des Mucher Nordens verbessern. Argumente wonach sich die Zeiten für Einwohner Ruppichteroths entsprechend verschlechtern fanden kein Gehör.
Das Krankenhaus Waldbröl verkommt zu einer besseren Rettungswache mit angeschlossenem Ärztehaus. Nachdem schon 2009 die ersten Gerüchte auftauchten wonach das Krankenhaus Waldbröl mittelfristig nur noch als eine Art Zubringer für das Krankenhaus Gummersbach dienen soll wird daraus zum Ende 2010 ernst. Die Schließung der Geburtsklinik lässt die Kommunalpolitiker aufschrecken. Sie steht jedoch in einer Reihe von Entscheidungen die erst durch die Kommunalpolitik ermöglicht wurden. So hatten bis vor wenigen Jahren die Kommunen rund um Waldbröl noch Anteile an der Krankenhausgesellschaft. Diese Anteile wurden verkauft. Der Erlös ist schon lange ausgegeben. Nun darf man sich nicht wundern wenn der neue Eigentümer betriebswirtschaftlich handelt. Und betriebswirtschaftlich scheint es aus dessen Sicht auch zu sein in Zukunft alle schwer verletzten nach Gummersbach bringen zu lassen. Dabei sind die längeren Anfahrtszeiten für Besucher wahrscheinlich ebenso wenig relevant wie der Wunsch nach nahe liegender Versorgung. Ob die Veränderungen, wie vom Krankenhaus Waldbröl behauptet, eine Verbesserung sein kann darf als dreiste Falschdarstellung bezweifelt werden.
Eine Nachricht die hier fehlt ist die von der Wiedereröffnung der Winterscheider Mühle. Gerne hätten wir auch darüber geschrieben. Leider ist die Angelegenheit bisher jedoch nicht über das Planungsstadium heraus gekommen. Der Interessent bat zwar um Änderung des Bebauungsplans, was durch den Gemeinderat auch geschah, zum Abschluss kam er jedoch bisher wohl noch nicht.
Ein neuer Nahverkehrsplan verbindet nun die Ortsteile Winterscheid, Schönenberg und Ruppichteroth, schneidet jedoch Litterscheid, Stockum & Honscheid von ÖPNV ab. Da halfen alle Proteste der Anwohner nichts. Auch gesunder Menschenverstand war nicht gefragt. Und ein einstimmigen Votum des Ruppichterother Gemeinderat hat auch nicht interessiert. Im Kreis beschlossen CDU & Grüne die oben genannten Ortschaften von der Buslinie abzuschneiden und dafür horrende Kosten, die der Gemeinde Ruppichteroth damit entstehen, in Kauf zu nehmen. Der neue Fahrplan trat am 12.12.2010 in Kraft. Zugegeben wir hatten von Anfang an einen harten Winter, aber das nahezu täglich mehrere Busse wegen Nichtbefahrbarkeit der Strecke ausfallen zeigt die von uns vorab aufgezeigte Fehlplanung ein weiteres mal auf. Ob die Busse fahren oder nicht, es hat sich zu einem Glücksspiel entwickelt.
Ruppichteroth muss Demokratie lernen. Zum Anfang 2010 konnte die Linke noch an den sogenannten Fraktionsvorsitzendengesprächen teilnehmen. Dann wurde sie auf Betreiben von CDU und FDP ausgeschlossen. Die Zusage des Bürgermeisters Mario Loskill die Gespräche in einen solchen Fall nicht mehr stattfinden zu lassen wurde nicht eingehalten.
Weiter wird es der Linken in Ruppichteroth nach wie vor verweigert was alle anderen Parteien vor Ort dürfen. Nämlich ihre Nachrichten kostenfrei im Amtlichen Mitteilungsblatt zu veröffentlichen. Diese Angelegenheit ist mittlerweile vor Gericht anhänglich. Eine Entscheidung wird allerdings bis zu zwei Jahre auf sich warten lassen.
Auch ein Versuch der Linken mehr Transparenz in den Rat zu bringen kam nicht durch. Der Antrag den öffentlichen Teil der Ratssitzungen als Videoaufzeichnungen online zu stellen wurde abgelehnt.
Weiterführende Schule nur in Kooperation möglich. Das war auch 2010 nichts neues: Die Hauptschule Ruppichteroth wird für sich alleine nicht weiter bestehen können. Neu sind die möglichen Schlussfolgerungen. Nachdem zu Anfang des Jahres noch alle Ruppichterother Parteien dem Mucher Wunsch nach einer gemeinsamen Schule skeptisch gegenüberstanden war davon zum Ende des Jahres nichts mehr zu spüren. Nun wurde eine ernsthafte Interessenbekundung zur Gründung einer Gemeinsamen Gemeinschaftsschule abgegeben. Der Grund für den Sinneswandel war die behauptete Alternativlosigkeit. Sowohl das Schulministerium als auch die Berater der Fa. komplan machten deutlich das nur eine Kooperation mit Nümbrecht oder Much in Frage käme. Dabei schien dann Much doch die bessere Variante. Nun soll die neue Schule konzeptionell unter füttert werden. Diesen Prozess werden wir kritisch begleiten.
Der Tourismusförderverein nahm seine Arbeit auf. Das ist eine der wenigen guten Nachrichten aus dem Jahr 2010 für Ruppichteroth. Leider gibt es auch hier einen Wermutstropfen. Die Aufgabe des Vereins ist das Marketing, und das macht er bisher auch ganz gut. Doch kann nur vermerktet werden was vorhanden ist. Wie wir schon lange bemängelten sind die Wanderwege im Gemeindegebiet schon lange in einem Zustand der eine Vermarktung nicht zuläßt. Daran hat sich leider nichts geändert. Ein erster Vorstoß der Linken zur besseren Beschilderung wurde im Gemeinderat abgelehnt.
Kunstrasenplätze fertig gestellt. Für die Sportvereine ein Grund zu feiern. 2010 wurden die lange ersehnten Kunstrasenplätze fertig gestellt. Die Linke hatte hierzu schon immer die Meinung vertreten das 2 Kunstrasenplätze ausgereicht hätten. Nun haben wir 3, das dafür ausgegebene Geld fehlt an vielen anderen Stellen.
Dennoch freuen wir uns für die Vereine und hegen zumindest die Hoffnung das die Folgekosten wie vorab behauptet entsprechende Einsparungen bringen.
Breitbandverbindung: LTE ist seit Mitte Dezember im Regelbetrieb. Wer es sich leisten kann der hat damit die Möglichkeit in weiten Teilen der Gemeinde schnelles Internet zu nutzen. Leider ist es jedoch relativ teuer und dazu im Datenvolumen begrenzt.
Welche weiteren Möglichkeiten für den Ausbau der Breitbandverbindungen bestehen beleuchtete die DSL Studie welche ebenfalls im Dezember veröffentlicht wurde. Die gute Nachricht, ein Ausbau ist bezahlbar wenn man dazu die entsprechenden Zuschüsse erhält. Die schlechte Nachricht, das dauert wieder weil die Zuschüsse gedeckelt sind kann damit jedes Jahr nur ein Teilausbau erfolgen.
B 478 erneuert. Die Fahrbahndecke der B 478 wurde erneuert. Gleichzeitig wurde die Ortsdurchfahrt Ruppichteroth attraktiver gestaltet. Die Bauarbeiten wurden kurz vor dem Wintereinbruch weitgehend fertig gestellt.
Gelder für die Hallenbadsanierung bewilligt. Zuschüsse für die energetische Sanierung des Hallenbades wurden bewilligt. Damit kann die Sanierung beginnen. Bleibt nur zu hoffen das wir uns angesichts der Haushaltslage den Betrieb auch in Zukunft noch leisten können.
Resümee: Insgesamt ist das Jahr 2010 kein gutes Jahr für die Gemeinde Ruppichteroth gewesen.
Die Infrastruktur bricht uns in vielen Teilen weg. Gelder um sich dem entgegen stellen zu können fehlen.
Doch in einigen Bereichen tut sich was. So ist die Breitbandanbindung in greifbare Nähe gerückt. Die Chancen zur Rettung einer weiterführenden Schule sind gestiegen.
Es bleibt die Hoffnung das sich 2011 besser entwickelt. Die Möglichkeit besteht. Schon der auslaufende Stromkonzessionsvertrag könnte zu innovativen Modellen wie einer Stromgenossenschaft führen. Leider steht jedoch zu befürchten das sich die etablierten Ratsparteien nach dem Motto “Wat dr Bur nit kennt dat fritt er nit” verhalten und solche Chancen verwerfen.










